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1948 gab die MFO-Geschäftsleitung grünes Licht
für die Entwicklung eines pneubereiften Gyrobus und schon 1950
konnte der neun Tonnen schwere Wagen an der Mustermesse in Basel
einem begeisterten Publikum vorgestellt werden. „Der Gyrobus läuft
wie ein Trolleybus auf Gummireifen, benötigt aber keine Oberleitung
und auch keine Batterie. Die Räder werden von einem
Drehstrom-Kurzschlussankermotor angetrieben, der die elektrische
Energie einem mitgeführten, horizontal umlaufenden Schwungrand
entnimmt.“ Nach erfolgreichen Versuchen in Altdorf, Aarau und im
sankt-gallischen Rheintal bestellte die neugegründete «Société
anonyme des Transport Publics Yverdon – Grandson» TPYG bei der
Maschinenfabrik Oerlikon MFO zwei 70-plätzige Busse. „Diese
verkehrten auf der rund acht Kilometer langen Strecke «Tuileries de
Grandson – Condémines»“, errinnert sich der heute 76-jährige,
ehemalige Werkstattchef Albert Vesin. „Am Place Bel-Air im
Stadtzentrum wurden die Wagen zwischengeladen.“ Stolz ist Vesin auch
auf seinen offiziellen Führerausweis mit dem Eintrag «Gyrobus».
„Alle fünf 1953 eingestellten Chauffeure haben die Prüfung in
Yverdon absolviert, die Experten kamen dazu aus Lausanne angereist.“
Während Mitte der 50er Jahre MFO weitere 15 Gyrobusse nach
Léopoldville (Belgisch-Kongo) und Gent (Belgien) lieferte, häuften
sich bei den TPYG die technischen Probleme des Kreiselsystems. Auch
war die Chassiskonstruktion nicht genügend stark ausgelegt.
„Regelmässig mussten wir die beiden Busse mit einem Lastwagen nach
Oerlikon schleppen. Das war im unbeheizten Wagen im Winter kein
grosses Vergnügen“, bemerkt Vesin. „Dazu kam, dass wir wegen den
Ausfällen oft dieselbetriebene Postautos zumieten mussten. Die nette
Geste seitens der MFO, uns auch den Prototyp als Reservefahrzeug zu
überlassen, nützte unserem kleinen Betrieb wenig.“ Bereits im Jahre
1960, nach einer Fahrleistung von insgesamt rund 720'000 Kilometern,
wurden die beiden Gyrobusse durch drei neue Dieselfahrzeuge
Saurer-OM mit Frontantrieb ersetzt. Diese bei der «Carrosserie du
Relay» in Yverdon aufgebauten Midi-Busse waren bereits damals eine
Niederflurkonstruktion! „Geblieben aus der Zeit des Gyrobus ist die
Errinnerung, als zur Mittagszeit die beiden überfüllten Busse die
Paillard-Arbeiter nach Hause brachten“, ergänzt Vesin mit einem
tränenden Auge während unseres Gesprächs im Stadtarchiv am Place
Pestalozzi. Die Firma Paillard mit ihren weltbekannten
Hermes-Schreibmaschinen und den legendären Bolex-Filmkameras, mit
denen in den 50er Jahre u.a. am Himalya gedreht wurde, prägte
während vielen Jahren das wirtschaftliche Geschehen in der Stadt am
Neuenburgersee. Leider gehört auch dieses Stück Schweizer
Industriegeschichte der Vergangenheit an. |