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Vom "Gyro"
zum "Elektrogyro"
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Der Begriff «Gyro» stammt aus dem
Griechischen und bedeutet Kreis, Umdrehung und im erweiterten Sinn
auch Kreisel und Schwungrad. Die für unsere Kultur erfolgreiche
«Erfindung» des Rades hat vor gut sechstausend Jahren stattgefunden.
Die Hochkulturen in Mesopotamien besassen nebst der Technik der
Metallverarbeitung auch erste Kenntnisse über das Rad. Gegen Ende
der Obed - Zeit (um 3500 v. Chr.) finden wir in der Region
Töpferscheiben mit gelagerten Achsen. Die Hochkulturen des Orients
beinflussten die Völkestämme in Europa durch die Handelsbeziehungen
nachhaltig. Auf verschiedenen Wegen und in mehreren Zeitschritten
gelangten die kulturellen Errungenschaften nach Westen.
Schwungscheiben und –räder werden vor allem dazu gebraucht,
ungleichförmige Drehbewegungen, wie sie etwa bei Kurbeltrieben
auftreten, zu harmonisieren. Beispiele sind die alten einzylindrigen
Dampf- und Diesel-Strassenwalzen. Das Prinzip der oft nur
kurzzeitigen Energiespeicherung hat im Laufe der Zeit eine grosse
Anzahl Erfinder ermuntert, Schwungräder als Energiespeicher
vorzusehen. 1852 wies der französische Physiker Léon Foucault nach,
dass ein horzontalachsiger Kreisel unter Einfluss der Erdrotation
stets danach trachtet, seine Rotationsachse in Nord-Süd-Richtung
einzustellen. Der heute milionenfach in Luft- und Seefahrt
eingesetzte Kreiselkompass wurde erfunden. Rund 30 Jahre später,
d.h. 1884, konstruierte der Amerikaner John A. Howell ein Torpedo,
bei dem ein 50 Kilogramm schweres Schwungrad gleichzeitig als
Antriebsquelle und als Richtungsstabilisator diente. Vor dem
Abschuss wurde das Schwungrad auf dem Trägerschiff mittels
Dampfturbine auf 10'000 Umdrehungen pro Minute beschleunigt. Der
Engländer Frederick Lanchester baute 1896 das erste britische Auto.
Nachdem er 1901 Scheibenbremsen für Strassenfahrzeuge vorschlug,
patentierte er 1905 (Brit. Patent Nr. 7949) die Kombination eines
Verbrennungsmotors mit einem Schwungradspeicher. Er hoffte, auf
diese Weise auf ein Schaltgetriebe verzichten zu können. In seiner
Patentschrift beschreibt er auch einen Omnibus mit
Schwungradantrieb, der an den Haltestellen mechanisch aufgeladen
werden sollte. Seine Konstruktion wäre jedoch kaum realisierbar
gewesen, hat er doch die Kreiselkräfte des (horizontal drehenden)
Energiespeichers und die Luftreibung der offenen Konstruktion
unterschätzt. Die erste erfolgsversprechende Konstruktion eines «Elektrogyro»
geht auf die Schweizer Patente Nr. 242086 und 244759 zurück. Das
Gesuch wurde von der damaligen Maschinenfabrik Oerlikon MFO (später
Teil von BBC, dann ABB) dem eidgenössischen Amt für geistiges
Eigentum am 19. Juli 1944 eingereicht und am 15. April 1946 als
Patent eingetragen. Als Erfinder wurde der damalige Oberingenieur
Bjarne Storsand genannt. Storsand wurde 1899 als Sohn des
Maschineningenieurs und Direktor der Norwegischen Staatsbahn in Oslo
geboren. Nach dem Studium der Elektotechnik an der Technischen
Hochschule in Trondheim fand er in Norwegen keine Stelle, worauf er
sein Glück in der Schweiz versuchte. Nach kurzer Zeit in der
Verkaufsabteilung für Bahnen bei der MFO wurde er Konstruktionschef
in der Abteilung für Gleichrichter und Elektrolyseure, Anlagen zur
Gewinnung von Wasserstoff und Sauerstoff aus Wasser. Im Zeitalter
der Rohstoff- und Energieknappheit während des Zweiten Weltkriegs
begann Storsand nach neuen Lösungen zum Antrieb von Fahrzeugen zu
suchen. Dies führte ihn zur Idee des «Elektrogyro». Während eines
Vortrags fasste Ingenieur Storsand die Vorteile der Gyrofahrzeuge
wie folgt zusammen: 1. Geringe Unterhaltskosten dank Ausrüstung mit robusten und zuverlässigen Elektomotoren. 2. Geringe Anlagekosten dank Wegfall der Oberleitung. 3. Freiheit der Streckenführung zwischen den Ladestationen. 4. Elektrische Energie ist in den meisten Ländern ein nationales Gut. 5. Gyrofahrzeuge sind frei von Abgasen und Lärm. |